Die Verhaftung von Paul Brandenburg


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Der Charakter zeigt sich in besonderer Weise beim Umgang mit seinen Gegnern.

Es ist modern geworden, sich selbst in besonderer Weise für moralisch zu halten und alle anderen zu belehren. Wer sich nicht belehren lässt, erhält eine Feindmarkierung und verliert seinen Status als Mensch: man kann auf ihn einschlagen und seine Aggressionen schamlos an ihm ausleben.

Zum Gutsein braucht es ein Gegenüber. Erst durch die Abgrenzung kann man auf seine ethische Überlegenheit hinweisen und erhält zugleich ein Ventil zum gerechtfertigten Ausleben eigener niedriger Instinkte. Erst im „Wir“ gegen „Die“ kann man die Guten von den Bösen trennen. Man schart Menschen um sich, die zur selben Seite gehören. Von ihnen droht keine Gefahr und man fühlt sich sicher.

Die anderen sind eine Bedrohung. Sie greifen dort an, wo es am schmerzhaftesten ist, an der moralischen Selbstgewissheit. Sie wagen es, Meinungen zu vertreten, vor denen wir warnen. Was wir lieben, worauf wir unser Weltbild gründen, das lehnen sie rundweg ab. Dabei begnügen sie sich nicht damit, ihre verwerflichen und falschen Ideen einfach nur für sich zu behalten und in ihrer Weise zu leben, sie tragen sie nach aussen, wirken an politischer Willensbildung mit, publizieren und setzen sich in jeder erdenklichen Weise für ihre ketzerische Sache ein.

Dass die Welt auf der anderen Seite ganz genauso aussieht, dass auch der Gegner sich für moralisch überlegen hält, dass auch er meint, zu den Guten zu gehören und nicht, wie man sich selbst gern einredet, aus purem Eigennutz oder fehlendem Verständnis „bockig“ ist, das kommt dem Guten nicht in den Sinn. Gut sein, das ist etwas Universales und wer richtig nachdenkt, der wird schon zum Guten finden. Und natürlich immer zum eigenen Guten: zur Wahrheit.

Nach dieser Logik ist der der Gegner nicht nur anders, er ist böse. Er verkörpert das Schlechte und muss bekämpft werden. Der Kampf Gut gegen Böse ist so alt wie die Menschheit und eines der am meisten erzählten Bilder in Liedern, Geschichten und Kunstwerken. In diesem Kampf wird die Verarbeitung des Fremden und Gefährlichen lebendig, genauso wie das Wissen um Schutz und Freundschaft in der eigenen Gemeinschaft; es ist der Stoff aus dem Hollywood noch heute die ganze Welt versorgt.

Dieser Dynamik steht die Idee des Christentums entgegen, nach der jeder Mensch, ohne Ansehen der Person ein Ebenbild Gottes ist und niemand, der sich für gut hält, Hand an einen anderen Menschen legen darf. Im Gegenteil soll bei einem Schlag auf die rechte Wange die linke entgegengehalten werden. Der Begriff der Feindesliebe ist ausserhalb des Christentums nicht nur unbekannt, er ist sogar das Gegenteil gängiger moralischer Vorstellungen, die das eigene schützen, indem sie vor dem Fremden, insbesondere vor Feinden warnen.

Heute, nachdem das Christentum eine ganze Kultur geprägt hat, kann man deutlich unterscheiden, zwischen Menschen, die auch ihre Gegner respektieren, die auch im ärgsten Feind einen Bruder in Christus sehen und auf der anderen Seite jenen, die ihre Gegner entmenschlichen.

Je mehr wir polarisieren, je mehr wir den politischen Gegner für vogelfrei erklären, je weniger wir auch dem Gegner jene Rechte zugestehen, die wir selbst in Anspruch nehmen, desto weiter haben wir uns von den christlichen Wurzeln entfernt und fallen zurück in finstre Barbarei.

Und genau darum ist ein Staat, der seinen politischen Gegner diffamiert, ihm Rechte aberkennt, wer kritischen Stimmen aus Politik und Medien mit Gewalt begegnet, Unliebsame und Unbeugsame wegsperrt, ganze Existenzen zugrunde richtet, wer Familien auseinandertreibt, Väter ihren Kindern entreisst, Geschlechter gegeneinander aufhetzt, in jeder Hinsicht Lager bildet, ein Unrechtsstaat und schon lange kein Rechtsstaat mehr.

Thod Verfasst von:

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

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