Trump und der Messias


Lesedauer
4 Minuten

Zu Trump und den USA mag man stehen, wie man will

„Gods own Country“, oder wie Trump heute sagt „America first“, zeigt von je her ein starkes Selbstbewusstsein, ein oft sogar naiv wirkender Glaube an die eigene Überlegenheit, nicht nur wirtschaftlich und technisch, sondern vor allem auch moralisch.

Außerhalb der Vereinigten Staaten wird dieses Auftreten gemischt wahrgenommen. Die einen lehnen die Arroganz, die mit solchen Sprüchen zum Ausdruck kommt ab und weisen im Gegenzug auf die zahlreichen Missstände im Land hin, andere suchen die Nähe zur zelebrierten Stärke, unter der sie Schutz suchen und sich gegebenenfalls auch einen Brocken der Macht erhoffen.

In dieser Hinsicht ist Trump wohl der amerikanischste aller bisherigen Präsidenten. Sein Selbstbewusstsein umspannt den Erdkreis gleich mehrfach und seine Zuversicht, den mittlerweile langjährigen Abwärtstrend amerikanischer Bedeutung zu wenden, färbt auf viele ab. Gewisse Erfolge kann man dem sich selbst so bezeichnenden „Dealmaker“ auch nicht absprechen, setzt er sie doch gekonnt in Szene und sorgt er mit seiner pampigen, oft übertriebenen Art bei Freund und Feind immer wieder für Erstaunen, wenn er sich schließlich doch nimmt, was er sich wünscht.

Aktuell aber scheint er sich doch zu verkalkulieren.

In Amerika, insbesondere im konservativen Spektrum der Politik, spielt die Religion eine deutlich stärkere Rolle, als wir das in Europa oft wahrnehmen. Das freikirchliche Milieu, dem Trump wohl auch locker zuzurechnen ist, hat gewaltigen Einfluss und auch die Katholische Kirche ist dort aktiver, als es oft den Anschein hat. Beide gehörten durchaus zu Unterstützern im Wahlkampf und verbanden die Hoffnung, mit einem erstarkenden Amerika unter Trump auch eine stärkere Position bei der Vermittlung des Glaubens zu erhalten, als bei der atheistisch-sozialistischen Konkurrenz vieler Demokraten.

Dass nun ausgerechnet ein Papst mit amerikanischen Wurzeln öffentlich gegen die kriegerischen Auseinandersetzungen der USA Stellung bezieht, dürfte Trump mehr als nur ein wenig verärgert haben. Eine Hand wäscht die andere, so wird er vermutlich gedacht haben, als er darauf hinwies, dass seiner Präsidentschaft die Ernennung des Papstes mit zu verdanken sei. Wie kann er sich nun so undankbar zeigen und den Krieg, der eh nicht so gut läuft, auch noch von päpstlicher Seite her kritisieren? Wäre nicht Schützenhilfe gegen die Muslime oder zumindest gegen ein Gewaltregime angemessen gewesen?

Nun, das Papst sieht es anders, das Wortgefecht zwischen Trump und Leo XIV ist hinlänglich bekannt, es ging ja durch alle Medien. So weit so gut, möchte man meinen, auf der einen Seite der Repräsentant einer Institution, die sich im Vollbesitz göttlicher Offenbarung weiss, auf der anderen Seite ein Präsident, der sich als mächtigster Mann der Welt empfindet und entsprechend auftritt. Ein Disput auf Augenhöhe, mögen unbeteiligte Beobachter vielleicht sagen.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht noch eins draufsetzen würde.

Im Sinne evangelikaler Ikonographie, quasi als Bild des Messias selbst, präsentiert sich Trump in einer KI-Graphik, in der er mit einer Lichtkugel in der einen Hand, die Energie weiterleitend, einen Kranken zu heilen vorgibt. Um ihn herum Menschen, die zu ihm aufschauen, die Freiheitsstatue, alles so arrangiert, wie man es als religiöse Kitschbilder so kennt: Trump als Erlöser.

Doch statt nun die erhoffte Rückendeckung aus den Freikirchen zu erhalten, an deren Spitze er vielleicht gehofft hatte, den Papst zum Einlenken zu bewegen, kam diese Selbsterhöhung nicht nur bei Katholiken, sondern auch bei den eigenen Anhängern nicht gut an. Sich gegen den Papst zu stellen, ist für viele das eine. Sich aber selbst als Christus zu inszenieren, wird weit über die Katholische Kirche hinaus als Blasphemie empfunden.

Ganz wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau wurde hier eine Ebene berührt, die eben nicht mehr im Rahmen unserer weltlichen Ordnung einzufangen ist. Vermutlich wird man das im Weißen Haus gespürt haben, als man das Bild schnell wieder entfernt hatte, doch dazu war es bereits zu spät, das Bild ging viral.

Zur Schadensbegrenzung Öl ins Feuer

Was macht man nun, wenn einem eine Situation aus den Händen zu geraten beginnt? Man rudert zurück. Das zumindest ist eine häufig erfolgreiche Praxis. Man beschwichtigt, erklärt, dass man sich gar nicht mit Christus gleichsetzen wollte, dass man die Analogie gar nicht bemerkt habe und sich einfach nur als Arzt gesehen habe.

Doch mit religiösen Gefühlen geht man so nicht um. Zu offenkundig ist es, dass auf dem KI-Bildchen kein Arzt oder Apostel zu sehen ist, denn dann müsste dessen Kraft von Gott, also von oben her kommen und durch ihn zum Patienten geleitet werden. Auf der Graphik ist aber Trump der Ursprung der Heilkraft. Dass er das nicht gesehen hat und das Bild nur zufällig den religiösen Rahmen besitzt, ist nicht plausibel. Die Antworten auf diese zu einfach gestrickte Ausrede auf den diversen Plattformen zeigen das auch mehr als deutlich.

Schnell wurden die ersten Stimmen laut, die historische Parallelen sahen und einen Gang nach Canossa empfahlen, doch das passt nun so gar nicht zu einem Mann wie Trump. Er bleibt lieber beim offenen Kampf und schickt seinen Vasallen Vance voraus, denn Angriff ist ja immer noch die beste Verteidigung.

Und so bleibt dem Betrachter nichts weiter, als mit offenem Mund daneben zu stehen und zuzusehen, wie sich Hochmut zu immer neuen Höhen versteigt und dabei selbst demontiert.

Der Papst wäre theologisch nicht ausreichend informiert, versuchte der Vizepräsident, der es als katholischer Konvertit eigentlich besser wissen könnte, einzugreifen. Er überlege sich ja auch, was er öffentlich politisch sage und in diesem Sinne rate er dem Papst, sich besser zu informieren, bevor er sich theologisch äußere: Immerhin gäbe es in der Kirche ja eine lange Tradition von Lehren zum Gerechten Krieg und damit könne sich der Papst ja einmal näher beschäftigen.

So kämpferisch und für Außenstehende plausibel das klingen mag, so kraftlos und leer sind diese Worte, denn einerseits ist Vance nicht dafür bekannt, bei öffentlichen Reden ein Blatt vor den Mund zu nehmen und bei genauerem Hinsehen hat der Papst auch nichts gesagt, was gegen die Lehre vom gerechten Krieg verstoßen würde. Und auch wenn es nicht jedem Christen geläufig ist, hier nochmal eine kurze Zusammenfassung:

Nach Augustinus ist ein Krieg niemals gut, sondern evtl. eine tragische Notwendigkeit. Um als gerecht zu gelten, muss er „ein Werk der Liebe“ sein! Kirchengeschichtlich machen 4 Punkte einen Krieg zu einem gerechten Krieg, wenn sie alle zutreffen:

1. Es braucht eine legitime Obrigkeit (Auctoritas principis), also klassisch die göttliche Ordnung zu verteidigen und um Unrecht zu ahnden. (Hier wäre durchaus fraglich, ob heute sowas auf einen Krieg ohne Uno-Mandat zutreffen kann.)
2. Es braucht eine rechte Absicht vorliegen. Diese muss aus Caritas (Nächstenliebe) entspringen und zum Ziel die Besserung des Feindes haben.
3. Es muss ein objektives Unrecht vorliegen, also ein „gerechter Kriegsgrund“ (z.B. Aggression, Vertreibung, Rechtsbruch). Dabei muss der Krieg eine Reaktion sein, ein präventiver Angriff ist ungerecht, da es ihm nicht um die Wiederherstellung des Friedens als Status quo gehen kann.
4. Ziel der Friedenssetzung. Der Krieg muss als höchstes Ziel den Frieden haben. Wenn er keinen Frieden schafft oder mehr übel anrichtet, als er behebt, ist er per se ungerecht.

Der Papst kann sich also in aller Ruhe zurücklehnen und abwarten, bis dieser Angriff verpufft ist. Für Gläubige aller Couleur dürfte Trump und nun auch Vance als angeschlagen gelten, sollten sie sich nicht doch noch für einen Canossagang entscheiden.

Thod Verfasst von:

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

Die Kommentare sind geschlossen