Quo vadis Berchtesgaden


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Wen Gott lieb hat, den lässt er fallen in dieses Land (Ludwig Ganghofers)

Wir haben seit längerem wieder einmal eine Woche Urlaub in Berchtesgaden gemacht, einem Flecken Erde, dem ich ganz besonders zugetan bin, einem Ort, dem ich seit frühster Kindheit verbunden bin und zu dem es mich immer wieder zieht: kulturell, menschlich und natürlich aufgrund der unbeschreiblichen Natur.

Seit je her ist Berchtesgaden zerrissen, zwischen wirtschaftlichen Interessen und Kriegen auf der einen Seite, wozu nicht zuletzt auch Armut und ein heute unvorstellbar hartes Leben zählten, sowie Reichtum auf der anderen Seite, aufgrund der wunderschönen Landschaft, die immer schon den Adel und die Mächtigen angezogen hat, zuzüglich dem reichhaltigen Vorkommen von Salz, dem weißen Gold, welches bis heute als Bad Reichenhaller Alpensalz die Regale in Supermärkten füllt.

Genau diese Zerrissenheit merkt man als Gast auch heute noch, wenn man erlebt, wie der Tourismus zwischen Massenabfertigung an den Hotspots wie Kehlstein, Salzbergwerk und Königsee und einsamer Naturbeschau im Nationalpark noch immer kein rechtes Maß gefunden hat.

Ich werde im Folgenden ein paar Eindrücke schildern, die uns als 5-köpfiger Familie aufgefallen sind und die weniger als Kritik, sondern vielleicht als Anregung verstanden werden wollen. Wir hatten eine wundervolle Woche, vor allem aber wohl auch aufgrund unserer Ortskenntnis, denn Berchtesgaden bietet eine große Fülle an Möglichkeiten, man muss sie aber teilweise jenseits der beschriebenen Pfade kennen, um sie genießen zu können.

Dabei werde ich aber bewusst darauf verzichten, hier in der Öffentlichkeit konkrete Hinweise zu geben, die möglicherweise eine ungewollte Verbreitung finden könnten. Welchen Schaden wild verbreitete „Insider-Tipps“ oft anrichten, kann man derzeit gut an der Zugspitze betrachten und auch Berchtesgaden hat hier leidvolle Erfahrungen zu bieten, beispielsweise die mittlerweile bei hohen Strafandrohungen gesperrten Kaskaden am Königsee, die mir den verfallenen Steig, den ich gern immer mal wieder zum Kessel gegangen bin, mittlerweile verbaut haben. Näheres dazu ist im Internet leicht zu finden.

Öffentliche Verkehrsmittel

Beginnen wir mit etwas Positivem. Wir wohnen meist in der Oberau, einem kleinen Bergdorf mit bestem Blick über den Talkessel, ein wenig abgelegen aber mit dem Auto bestens angebunden. „Mit dem Auto?“ … werden einige jetzt vielleicht fragen. Nunja; das Auto ist gerade im Gebirge für viele sicher das zentrale Mittel, um auch abgelegene Plätze zu erreichen, doch in der Tat sind wir ohne Auto unterwegs und das schon immer. Wir besitzen keines und gerade im Gebirge hat sich das oft sogar als Vorteil erwiesen, wenn man nicht immer wieder zum Parkplatz zurückkehren muss. Doch davon später mehr.

Die Busverbindungen in Berchtesgaden waren immer vorbildlich. Fahrpreise sind in der Gästekarte enthalten und in der Regel fahren Busse stündlich, jeweils 15 Minuten nach der vollen Stunde, sternförmig vom zentralen Bahnhof in alle Richtungen ab, so dass man, wenn man aus den Randregionen dort eintrifft, immer auch ein Anschluss an andere Bereiche gegeben ist. Auf dieses sternförmige System konnte man sich jahrelang gut verlassen, mittlerweile ist es aber etwas aufgeweicht: Stark frequentierte Linien werden verstärkt und bei wenig besuchten Regionen, wozu auch die genannte Oberau zählt, fallen hin und wieder auch Busse aus. Sehr ärgerlich war es vor 2 Jahren in einer Nebensaison, als wir zu einer Beerdigung, die wir dort besuchten, gar keinen Bus bekamen und sowohl rauf als auch runter kurzfristig ein Taxi benötigten. Doch so etwas ist selten. 

Die gefühlte Verschlechterung bei den Bussen wird aber schon seit Jahren durch ein gut funktionierendes Rufbussystem kompensiert, mittlerweile ist dieses mit eigenen Haltestellen flächendeckend bestens ausgebaut und unter dem Namen Watz-Mobil sehr flexibel mit der gleichnamigen App buchbar. So kann man auch Querverbindungen, die von Bussen selten oder kaum befahren werden, in kurzer Zeit erreichen. Einziger Wermutstropfen: Die App strotzt nur so vor Kinderkrankheiten. Sie stürzt regelmäßig ab, trotz Registrierung merkt sich die App weder die Familienmitglieder, noch deren Gästekarten, so dass man bei jeder Fahrt (und nach Abstürzen) alles erneut angeben muss. Hier fragt man sich als ITler doch, welcher Praktikant das zusammengeschustert hat und ob man hier nicht noch ein wenig Geld investieren könnte, in einen rundum gelungenen Service.

Almbachklamm & Kneifelspitze

Um kurz ein Beispiel für so eine gelungene Bergwanderung anzuführen, möchte ich unsre Einstiegstour erwähnen. Morgens haben wir uns vom Watz-Mobil nach dem Frühstück abholen lassen und waren in 10 Minuten an der Haltestelle Kugelmühle, wo wir mit den Kindern die Almbachklamm besucht haben. Diese schlägt zwar für die Familie mit über 20 EUR zu Buche, aber das lohnt sich durchaus, vor allem wenn man den Kindern vorher ein wenig über die Historie vermittelt hat. Es gibt auf gängigen Online-Portalen dazu gutes Material über die Holz-Trift und auch das Stauwehr an der Martinsklause, von wo aus das Holz durch die Klamm geschwemmt wurde, ist mit altem Filmmaterial gut aufbereitet.

Am Ende der Klamm, an der Martinsklause gibt es für die Kinder mittlerweile sogar ein kleines Modell aus Blech, wo sie mit einem Eimer Wasser und ein paar Holzstöckchen das Prinzip des eindrucksvoll vor ihnen aufragenden Originals nachspielen können. Nach einer kleinen Pause dort am Bach sind wir dann nach Obergern gewandert und als Ortskundige wussten wir auch, wie wir von dort über einen unmarkierten kleinen Bergsteig die für Kinder doch eher strapazierenden Forststraßen auf die Kneifelspitze umgehen konnten. So hatten wir am ersten Tag bereits zwei Höhepunkte: eine Klamm die sich sehen lassen kann und ein Panoramagipfel, der zu den schönsten Aussichtspunkten zählt, die man als einfacher Wanderer leicht mit Kindern vom Tal aus erreichen kann. Herunter sind wir dann den kurzen Abstieg nach Maria Gern, zur Bushaltestelle gewandert, von der aus wir mit dem oben erwähnten Sternsystem am Bahnhof komfortabel zurück in die Oberau gelangten. 

Salzbergwerk

Etwas ambivalenter wird das Bild, wenn wir zu einer der Hauptattraktionen des Landes kommen, dem Salzbergwerk. Von der Oberau ist dies gut zu Fuß zu erreichen, über den für Kinder sogar sehr eindrucksvollen Stollenweg. Dieser führt in leichtem Gefälle vom Ausgangspunkt direkt zum Salzbergwerk und war ursprünglich ein Wartungssteig entlang einer Wasserleitung, die den Zufluss von Frischwasser ins Bergwerk für die dortigen Bohrspülwerke gewährleistete. Um bei ansteigendem Gelände Umwege zu umgehen und keine Pumpen zu benötigen, wurden an einigen Stellen lange Stollen durch die Bergausläufer getrieben, die dem Weg ihren Namen geben. Da man beim Eingang des unbeleuchteten feuchten Ganges den Ausgang nur ganz schwach und in weiter Ferne erkennt, eröffnet sich hier ein großes Abenteuer für Kinder, die die Stollen mit Tastsinn und großer Vorsicht meistern.

Hier hätte ich mir durchaus etwas mehr Beschilderung und vielleicht auch die eine oder andere Hinweistafel gewünscht. Wenn man berücksichtigt, welche Nichtigkeiten in anderen Regionen groß herausgestellt werden, wirkt es ein wenig traurig, wie dieser Weg kaum Erwähnung findet, obwohl er sich geradezu aufdrängt, als niederschwelliges Bildungsangebot für Familien, Natur und Historie miteinander zu verbinden.

Gelangt man dann zum Bergwerk, kann man erahnen, warum das so ist. Der Schwerpunkt hier gilt eindeutig dem Massentourismus. Hier werden Busladungen abgefertigt, die man in ca. einer Stunde durchs Bergwerk jagt und die dann gleich weiter zum nächsten Hotspot verfrachtet werden. Eine thematische Auseinandersetzung oder gar ein Erkunden der näheren Umgebung scheint nicht gewollt. Den Kindern zuliebe haben wir den Zirkus aber dennoch mitgemacht. Die Familienkarte schlägt mit etwa 75 EUR für die Stunde zu Buche, wenn man auf weitere Souvenirs und Bilder verzichtet. Ein Schnäppchen ist es dennoch, denn die österreichische Konkurrenz in Dürrnberg (was aus Sicht der Oberau sogar näher gelegen hätte) verlangt nochmal die Hälfte mehr für die gleiche Show: Zwei Rutschen und ein Salzsee.

Natürlich ist das alles professionell. Ich will mich auch gar nicht in den Chor derer einreihen, die in allem, was nach Geldverdienen mit Touristen riecht gleich den Weltuntergang erkennen. Was ich schade finde ist eher die verpasste Chance, den Menschen, die Interesse an der Region zeigen, die extra hinfahren und oft auch viel Geld ausgeben, etwas mehr zu bieten als einen Hochglanzkatalog mit ein paar visuellen Eindrücken. Konkret: Man wird durch die Tunnel geführt, wie eh und je. Statt aber mit dem Guide, wird mit Tonaufnahmen und Filmchen interagiert, was den Tourführer schon heute eher überflüssig erscheinen lässt. Wir bekommen eine Lichtspiel-Show über dem Salzsee, eine kurze Filmvorführung und am Ende weiß niemand mehr, was er dort mitgeteilt bekommen hat. Sowas wirkt sicher toll in Konzepträumen, ich kann mir die Argumente der Agentur gut vorstellen, wenn sie auf einheitliche Standards, individuelle Sprachanpassungen und ähnliches hinweist. Was aber fehlt, ist das Herz. Ein Bergmann im Ruhestand, jemand, der etwas zu erzählen weiss, der Spaß an der Materie und den Menschen hat, könnte da viel mehr erreichen. Positiv finde ich hier z.B. die Zeche Zollverein, die (soweit verfügbar) tatsächlich noch mit alten Kameraden arbeitet bzw. deren Nachkommen.

Das Bergwerk wirkt professionell. Ganz im Gegensatz zum Weg dorthin. Beides sind extreme: das eine extrem spartanisch, das andere extrem modern. Was beiden gemeinsam ist, ist das Gefühl einer Lieblosigkeit; der achtlos liegen gelassene Weg und das elektronische, aber bestenfalls kontaktlose, Grubenerlebnis, nicht weit entfernt von einer VR-Show, die man mit entsprechendem Equipment auch zu hause hätte haben können. Fragt man die Kinder, fanden sie es beides toll. Als wir sie aber Ende der Woche gefragt haben, was ihre Highlights waren, kam das Bergwerk gar nicht vor, während es der erste große Stollen auf dem Hinweg zumindest in die nähere Auswahl schaffte.

Am Kehlstein

Derartige Beispiele gibt es viele. Nehmen wir unsren Ausflug zum Kehlstein, das Watz-Mobil brachte uns bis zur Klaushöhe. (Warum es am direkten Einstieg für den Fußweg am Ofner Boden keine Haltestelle gibt, liegt vermutlich an der Mautstraße. Da dies aber eine deutliche Erleichterung ist, könnte man sich hier schon auch etwas überlegen.) Auch hier möchte ich mich nicht über die Touristenmassen beschweren, dass das Kehlsteinhaus weltberühmt und entsprechend beliebt ist, war ja auch mit ein Grund für uns, diesen Gipfel anzupeilen. Auch dass man dort 5 Euro für ein 0,3l Getränk zahlt, war abzusehen. Dass sie aber gegen 12:30 bereits keine Limonade mehr für die Kinder am Kiosk hatten, ist schlichtweg lieblose und schlecht gemachte Kommissionierung. Auf der Wasseralm, die mit dem Hubschrauber bedient wird, verstehe ich sowas. Das Kehlsteinhaus aber wird über eine breite Straße mit Lieferwagen bedient und verfügt über einen großen Lastenaufzug direkt ins Haus.

Nebenbei, es gibt auch hier einen nicht ausgeschriebenen Steig neben der Teerstraße für Fußgänger, der mit etwas alpiner Erfahrung leicht zu bewältigen ist und deutlich mehr Spaß macht, zudem auch die Knie schont. Geht man diesen herunter und folgt den anschließenden Forststraßen, wird man über breite Umwege zur Obersalzbergbahn geleitet und von dort nochmal eine halbe Stunde zum Dokumentationszentrum, welches bei geschickter Weganlage auch direkt zu erreichen wäre. Natürlich hat das nichts damit zu tun, dass man die Fußgänger lieber nicht mit dem in der Gästekarte enthaltenen Bus ins Tal fahren lassen will. Wir haben den Kindern die Bahn dennoch gegönnt, die nett und urig ist und deren Preis für die Familie mit ca. 30 EUR etwa so viel gekostet hat wie die Talfahrt vom Kehlstein mit dem Bus für einen Erwachsenen.

Das Wimbachtal

Grundsätzlich ist man in Berchtesgaden gut bedient, wenn man sich selbst ein wenig auskennt. Fast überall kann man neben den ausgetretenen Wegen bessere Varianten finden, wie die erwähnten Wege auf Kneifelspitze und Kehlstein. Aber auch das Klausbachtal hat nicht nur die breite Forststraße zu bieten und sogar im Wimbachtal sind wir ganz einsam, ohne einem Menschen zu begegnen, zwei Stunden gewandert, haben pausiert und zwischen Felsen und kleinen plätschernden Rinnsalen Mittag gemacht bis wir dann auf dem Rückweg gesehen haben, dass wir keine 200 Meter vom überfüllten Forstweg entfernt gewesen sind. Ob Menschen, die nach der Wimbachbrücke die kostenpflichtigen Wasserfällchen in der sog. Klamm genießen, dann die Straße zum Jagdschloss raufgehen und außer einem Forstweg im Wald kaum etwas sehen, sich die Mühe dorthin noch einmal machen werden, bezweifle ich. Um die zerklüfteten Felsen von Watzmann, Kalter und Palvenhörnern zu sehen, müsste man noch ein gutes Stück weiter gehen und vom eindrucksvollen Griesstrom erhaschen sie bestenfalls am Anfang einen kurze Blick.

Zwischen Massen- und sanftem Tourismus

Kommen wir am Schluss noch einmal zurück in die Oberau. Sie ist geprägt von sanften Wiesen, einer schönen Kirche und verstreuten Gebäuden an den Hängen unter dem Waldrand. Um ein zentrales Sägewerk sind mittlerweile immer mehr Häuser entstanden, der Weissensteiner Weg, der den Ort durchzieht, ist für eine schmale Teerstraße mittlerweile recht stark befahren. Es gibt Ferienhäuser und Pensionen, die dem Gast den Eindruck vermitteln, ein lebendiges kleines Bergdorf vor sich zu haben. 

Touristisch gibt es hier die Rossfeld-Höhenringstraße, eine Prachtstraße aus der Zeit des Dritten Reichs, die als Mautstraße viel besucht ist. Im Winter, weil es oben ein kleines Skigebiet gibt, von dem auch eine etwa zehn Kilometer lange Abfahrt bis in die Oberau verläuft, sogar mit einer Variante über Österreich. Im Sommer gibt es Ausflugsgäste zum Rossfeld aufgrund der Aussicht weit ins Salzachtal hinein. Somit hat die Oberau einiges, wovon andere Ferienorte träumen. Dennoch kommt man beim zweiten Blick nicht umhin, auch Schatten zu sehen. Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen, dessen Regale eher an DDR-Zeiten erinnern als an einen florierenden Touristenort. Der letzte Sparkassenautomat gegenüber wurde mittlerweile abgebaut und von den zahlreichen Restaurants an die ich mich noch aus meiner Jugend erinnere, ist im Ort noch eines geblieben: der Auerwirt, dessen Küche einfach und früher günstig, heute aber nur noch einfach geblieben ist.

Priesterstein, Post, Denning (ja, bevor er zum großen Hotel wurde, kamen dort Busse zum Essen hin), Zinkenwirt (nur noch die Bushaltestelle erinnert an ihn) Dora und andere leben nur noch in der Erinnerung. Etwas außerhalb, das Neuhäusl, ist sicher noch eine Erwähnung wert, aber im Ort selber gibt es wenig. Gründe dafür sind meiner Ansicht vor allem zwei. Zum einen fehlt ein Infrastrukturprojekt zur Erschließung der Region, welchem die lokalen Interessen untergeordnet werden müssten und zum anderen gibt es eine stark abgrenzende Mentalität gegenüber den Nachbarn aus Österreich, mit denen zusammen man deutlich mehr hätte erreichen können.

Über die Grenze, in Dürrnberg, da tut sich nämlich einiges. Es gibt mit dem Keltenblitz die größte Sommerrodelbahn im Salzburger Land, mit Lift auf den Zinken, einem kleinen Freilichtmuseum das einem Keltendorf nachempfunden wurde und dem schon erwähnten Salzbergwerk. Von Österreich aus ist das gut beworben und beschildert, von Berchtesgaden und der Oberau aus gar nicht. Als ich einmal einen Einheimischen danach befragt hatte, bekam ich die entsetzte Antwort: „Was??? Für die sollen wir Werbung machen?“ Nunja, dass alle, die aus Berchtesgaden nach Dürrnberg fahren, auch durch die Oberau müssen, und dass man mit eigenen Akzenten dort auch Menschen für sich gewinnen könnte, das war nicht zu vermitteln. Dabei geht es doch schon bei der Skiabfahrt.

Aber bleiben wir noch kurz im Lande, sehen wir uns die Wanderwege an. Die meisten führen über viel befahrene Straßen, erst kürzlich wurde ein Weg vom Priesterstein am Denning vorbei runter zum Knappenweg entfernt. Vermutlich hat ihn ein Anwohner gestört. Es gibt keinen durchgehenden Weg für Wanderer aufs Rossfeld, obwohl man direkt an der Skiabfahrt ohne großen Aufwand einen solchen anlegen könnte. Will man zum Obersalzberg, muss man als Fußgänger den Stollenweg nehmen und die hälfte der Höhe zum Tal erst einmal verlieren, um dann wieder aufzusteigen, wenn man nicht an der Höhen-Ringstraße entlanglaufen möchte. Nicht einmal die Barmsteine, jene wilden Felsen, die nach Hallein abstürzen und zu denen man einen wunderbaren Weg durch die Scheffau nehmen könnte, sind allgemein erkenntlich ausgeschrieben und wenn man sie kennt, muss man entweder über Österreich, oder aber über Teerstrassen dorthin wandern.

Das Hochtal der Oberau, entstanden durch einen Gletscherschliff mit sanften Hügeln, Wiesen und Wäldern würde zum Wandern nur so einladen, zwischen der alten Salzstätte am Dürrnberg und Hallein, zwischen Marktschellenberg und Obersalzberg, vielleicht mit einem Abstecher zur Almbachklamm und seinen zahlreichen, teils historischen Sehenswürdigkeiten. Aber man müsste Wege bauen, ausschildern, instandsetzen, mit Anwohnern verhandeln und wo es sich anbietet, Gastronomie oder andere touristische Elemente anbringen. Der Nachbar hat es mit seiner Sommerrodelbahn bereits vorgemacht, nun sind weitere Ideen gefragt.

So fragt man sich als Gast: Was möchtest du, mein Berchtesgaden?

Willst du letztlich nur die Massen auf den Kehlstein, über den Königssee und ins Salzbergwerk treiben und ansonsten gern in Ruhe gelassen werden? Dann beschwer dich auch nicht, wenn Touristen in der Fläche ausbleiben, wenn die Gesellschaften der Schifffahrt und des Bergwerks die Einnahmen unter sich verteilen, für die Einwohner aber nur noch Krümel vom Kuchen bleiben. 

Thod Verfasst von:

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

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