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Ich bin in den 80er Jahren in die Schule gegangen, mein Abitur habe ich 1991 gemacht, also 46 Jahre nach Kriegsende. Dennoch war der Zweite Weltkrieg im Unterricht derart präsent, dass man hätte denken können, er wäre erst gestern beendet worden oder er stünde direkt wieder bevor und gerade letzteres mag zu Zeiten des Kalten Krieges tatsächliche die Befürchtung Vieler gewesen sein.
Dennoch war der Begriff des Nationalsozialismus, der im Grunde synonym mit Holocaust und Kriegsverbrechen einherging, schon damals zur Marke verkommen. Eine inhaltliche, gar philosophische Auseinandersetzung mit der Systematik dieser Staatstheorie wurde nicht angegangen, Staatstheorien endeten bei Hobbes, Locke und Rousseau, und der Unterricht beschränkte sich im Wesentlichen auf Nachkriegsliteratur, Schilderungen der Gewalt und ein paar groben historischen Einordnungen, die über Jahre wiederholt wurden: von Anne Frank über Borchert zur Kriegschuld-Debatte.