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Die Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing gilt dem deutschen Bildungsbürgertum als heilig. Mit ihr wird Aufklärung und Toleranz wie in einer Monstranz vor sich hergetragen und sie gilt als Goldstandard im Umgang mit Religionen. Wer eine auch nur oberflächliche Kritik wagt, hat sie entweder nicht verstanden oder ist selbst ein unverbesserlicher religiöser Fanatiker, genau von jener Sorte, gegen den dieses, quasi von göttlicher Weisheit durchdrungenes Werk, seit je her anzugehen versucht.
Im Kern handelt es sich um eine recht simpel gestrickte Allegorie: Ein magischer Ring, der die Kraft besitzt, den Träger vor Gott und den Menschen beliebt zu machen, soll an drei Söhne vererbt werden. Damit keiner benachteiligt wird, ließ der Vater zwei optisch identische Kopien anfertigen, so dass niemand sagen konnte, wer der echte Ring sei. Der weise Richter konnte das auch nicht erkennen und gab den Rat, jeder solle den seinen für den Echten halten, am Resultat würde man schließlich erkennen, welcher Ring der echte wäre.