Kategorie: Philosophie

24. August 2026

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2 Minuten

Ich bin in den 80er Jahren in die Schule gegangen, mein Abitur habe ich 1991 gemacht, also 46 Jahre nach Kriegsende. Dennoch war der Zweite Weltkrieg im Unterricht derart präsent, dass man hätte denken können, er wäre erst gestern beendet worden oder er stünde direkt wieder bevor und gerade letzteres mag zu Zeiten des Kalten Krieges tatsächliche die Befürchtung Vieler gewesen sein.

Dennoch war der Begriff des Nationalsozialismus, der im Grunde synonym mit Holocaust und Kriegsverbrechen einherging, schon damals zur Marke verkommen. Eine inhaltliche, gar philosophische Auseinandersetzung mit der Systematik dieser Staatstheorie wurde nicht angegangen, Staatstheorien endeten bei Hobbes, Locke und Rousseau, und der Unterricht beschränkte sich im Wesentlichen auf Nachkriegsliteratur, Schilderungen der Gewalt und ein paar groben historischen Einordnungen, die über Jahre wiederholt wurden: von Anne Frank über Borchert zur Kriegschuld-Debatte.

21. August 2026

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3 Minuten

Harmonie und Ästhetik waren ihr immer besonders wichtig. Sie war ein guter Mensch, und dass man das auch von außen her sah, darauf legte sie viel wert. Sie war freundlich, zurückhaltend, ließ anderen gern den Vortritt und genoss es, andere zu beschenken weit mehr, als selbst etwas zu empfangen. Wären andere nur ein bisschen mehr wie sie, dann wäre schon viel erreicht, dachte sie sich häufig.

Auch äußerlich war ihr Auftreten von Sorgfalt geprägt. Sie war reinlich, alles hatte seinen Platz und nichts stand ohne Grund irgendwo im Raum. „Ordnung ist das halbe Leben“ war der Leitsatz, auf den sie einen Großteil ihrer Lebensphilosophie stützte. Unordnung bedeutete Chaos: die unausweichliche Anhäufung von mehr Unordnung in Folge, zunehmend dann auch Schmutz, Zerstörung und entweder mehr Arbeit, oder aber ein völliges Entgleiten.

„Wehret den Anfängen“ kam darum als Motto gleich hinten an, oft direkt in Kombination. Und das tat sie.

17. August 2026

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6 Minuten

Es kommt auf den Standpunkt an. Immer.

Das Bild zu diesem Beitrag zeigt einen Ausschnitt einer römischen Straßenkarte, der Tabula Peutingeriana. Die Pergamentrolle wurde auf Reisen mitgeführt und stellte das gesamte römische Straßennetz dar; die Knicke auf den Straßen markierten Reisetage. Vergleicht man sie mit heutigen Satellitenbildern oder gängigen Karten wird man feststellen, dass sie geographisch wenig miteinander zu tun haben. Das Mittelmeer ist in zwei lange horizontale Arme gespalten deren oberer Teil das Adriatische Meer darstellt, im Zentrum Rom mit dem italienischen „Stiefel“ als lange Landzunge.

10. August 2026

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6 Minuten

Man kann sich dem Werk Tolkiens nicht nähern, ohne auf die theologischen Implikationen einzugegen. Eine rein säkulare Sicht oder gar die Beschränkung seiner Welt auf Kulissen für Fantasy-Abenteuer und Spiele greift zu kurz und das möchte ich gern am Beispiel Tom Bombadils aufzeigen.

Auf Ebene der äußeren Betrachtung des Handlungsstrangs oder für eine Analyse der Eigenheiten Mittelerdes, trägt die Tom-Bombadil-Episode im „Herr der Ringe“ nichts Wesentliches bei. Drei Kapitel in einem langen und mächtigen Epos, für sich derart gekapselt, dass man beim Drehbuch für eine vielgelobte Filmadaption unberührt drüber hinweggehen konnte, eine kurze Seitenerzählung die der Autor vermutlich nicht ganz ernst gemeint haben kann, die vielleicht nett geschrieben ist, aber ansonsten kaum der Rede wert, ausgerechnet diese häufig gar als unpassend angesehene Erzählung, ist dennoch immer wieder Thema intensiver Debatten.

16. Juni 2026

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4 Minuten

Gerade in einer moralisch und emotional aufgeladenen Zeit wie der unsrigen ist es nicht ganz ungefährlich, eine solche Aussage zu tätigen. Und wenn ich es genau nehme, ist sie zudem auch nicht ganz ehrlich, denn „interessieren“ tun mich die viel beschworenen Werte durchaus, nur halt nicht im Sinne einer Zustimmung, sondern aus einer tief empfundenen Ablehnung heraus. Und ja, ich muss auch zugeben, dass man mich hier der Hassrede bezichtigen könnte, denn auch wenn ich Position und Menschen durchaus zu unterscheiden weiß, so lehne ich das moderne von diesem Staat getragene Wertesystem aus vollem Herzen und wie ich denke auch aus gerechtem Zorn heraus, rundweg ab. Uns wird mit einer Perversion christlicher Moral und Anthropologie im Brustton moralischer Überlegenheit die Luft abgeschnürt und man kann im Dienste der Menschheit hier nicht deutlich genug widersprechen.

15. Juni 2026

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5 Minuten

Beschäftigt man sich mit gesellschaftlichen Themen, stößt man früher oder später auf diesen Satz. In der Regel ist damit ein Appell an Menschen mit Vermögen verbunden, der selten näher ausgeführt wird, oft aber auf die Abgabe desselben hinausläuft. 

Oft steht dieser Anspruch wie ein Dogma im Raum und jeder Widerspruch macht verdächtig. Wozu Eigentum aber konkret verpflichtet und ob oder warum das überhaupt so ist, das zu fragen scheint ein Tabu zu sein.

6. Mai 2026

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4 Minuten

Der Mensch ist immer in Gruppen eingebunden. Von der Familie über die Verwand- und Nachbarschaft, über Vereine, größere Gemeinschaften bis hin zu Staaten oder gar der gesamten Menschheit: Überall finden wir Gruppen und sind eingebunden in soziale Netze.

Die Gruppe gibt Sicherheit und Identität. Wo wir nicht als Einzelne kämpfen können, sind wir als Gruppe stark und wenn wir verlieren, so ist es tröstlich, dass wir auch hier nicht alleine sind. Nicht zuletzt die Prägung, die wir durch Gruppen erfahren, zeichnet unseren Charakter, die Fähigkeit zur Einordnung, zum gegenseitigen Respekt, zur Unterstützung der Schwachen und dem Ausnutzen von Synergien.

19. April 2026

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13 Minuten

Dummheit oder andere Weltsicht?

Immer häufiger muss man sich die Frage stellen, ob politisches Handeln schlicht der Unwissenheit über historisch längst erkannte Zusammenhänge entspringt, ob simple Einsichten über das Wirtschaften, menschliche Egozentrik, Grundbedürfnisse von Kindern, Familien, Alten und Kranken oder über ganz allgemeine Konventionen des Anstands nicht mehr bekannt sind, oder ob die Missachtung traditionell als natürlich empfundener Regelungen einer Logik entspringt: einer neuen völlig anderen Art zu denken und die Welt zu begreifen und zu gestalten.

1. April 2026

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3 Minuten

Wenn wir über unsere wirtschaftlichen Verhältnisse jammern oder den gesellschaftlichen Verfall beklagen, denken wir selten über die Wurzeln des Übels nach: Wir diskriminieren falsch.

Natürlich hört man landauf landab, dass Diskriminierung selbst Ursache allen Bösen wäre und wir geben Unsummen aus, nicht nur an Steuergeldern, um dem Ideal der Gleichheit nachzujagen, welches zumindest auf dieser Erde nie zu erreichen ist: zur Erleichterung der Einen, für die Gleichheit einer der ärgsten Alpträume ist und zum Leid der anderen, die auf der Gleichheitswelle mehr Rechte für sich erhoffen.

1. März 2026

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9 Minuten

Geschichten über das Schlaraffenland kennen wir viele. Sei es die klassische Version von Grimm oder Bechstein, das englische „Land of Cockaygne“ oder das französische „Pays de Cocagne“, wo fette Würste von den Bäumen hängen und sich gebratene Tauben auf den Teller legen. Wir kennen derartige Geschichten aus den Niederlanden, einen großen Parmesanberg aus Italien, und selbst in der griechischen Antike fliegen, beispielsweise bei Telekleides, gebratene Drosseln in den Mund, Brot wächst von selbst und es gibt Flüsse aus schwarzem Wein.