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Noch nie hat ein Werkzeug das menschliche Ego derart herausgefordert, wie die sogenannte „Künstliche Intelligenz“. Hatten wir bis dato immer gedacht, allein auf dieser Welt über Intelligenz zu verfügen, die wir anderen Wesen bestenfalls analog, oder (wie bei Engeln und Dämonen) im Mystischen versteckt, zugestanden haben, so sehen wir uns heute in direkter Konkurrenz zu Maschinen mit denen wir uns unterhalten, von denen wir Alltagstipps entgegennehmen und auf die wir einen Großteil unserer Recherche- und Denkarbeit abwälzen.
Doch so sehr wir die angenehmen Seiten schätzen, so spüren wir doch auch den Neid, angesichts der Geschwindigkeit, mit der treffsichere Antworten generiert werden, eloquent und durchaus fundiert. Die Frage, was uns Menschen noch als besondere Fähigkeit ausmacht, was wir besser können als die von uns geschaffene Technik, steht wie ein Damoklesschwert über all unseren Plänen, insbesondere wenn wir die kommende Robotik in unsere Überlegungen mit einbeziehen.
Die Maschine wird immer mehr zum Menschen, so lauten die Befürchtungen und das ist seltsam, denn wenn wir in die nähere Vergangenheit sehen, wenn wir die Modularisierung der Arbeitsplätze, die Standardisierung von Arbeitsabläufen, das Bemühen um Gleichheit und Funktionalität betrachten, sehen wir den umgekehrten Trend, nach dem der Mensch immer mehr zur Maschine werden soll. Im Ergebnis findet auf beide Weisen eine Angleichung statt, nur dass wir die eine fürchten und die andere seit Jahren forcieren.
Letztendlich aber läuft beides ins Leere. Den Ansatz, Menschen als Material oder als Rädchen im Getriebe zu sehen, haben wir bereits vom 18. bis ins 20. Jahrhundert unter großen Schmerzen durchexerziert. Auch den ständigen Versuchen, durch Massenmanipulation und einem erneut aufkeimenden Sozialismus, der sich anschickt, eine Gleichheit mit der Heckenschere herzustellen, wird aufgrund der menschlichen Konstitution kein Erfolg beschieden werden. Doch ebenso ist der Versuch, Maschinen so auszubauen, dass sie den Menschen in seinen Qualitäten ersetzen oder gar übertreffen können, schon vom Ansatz her zum Scheitern verurteilt.
Begrifflich müssen wir uns hier ein wenig mit der Person des Menschen beschäftigen. Lange dachte man, der Begriff käme aus dem Lateinischen, von „per-sonare“ also hindurchklingen und man meinte, durch die Person des Menschen scheine quasi göttliches Licht hindurch, ein Strahl von Freiheit und Liebe, der die Seele zum Leben erwecke. Auch wenn die heutige Forschung diese Herleitung nicht mehr unterstützt, hat sie doch ihre Spur im Verständnis des Menschen hinterlassen: Bei der menschlichen Person handelt es sich demnach um mehr als nur die Summe seiner Teile, er ist durch seinen Schöpfer zur Freiheit und zur Verantwortung geschaffen.
Aktuell wird der Begriff der Person vom lateinischen Wort „persona“ (Maske) abgeleitet und auf die etruskische Gottheit Phersu zurückgeführt. Von ihr gibt es eine Darstellung mit Maske, ein maskierter Gott also, der auch mit dem Sterben assoziiert wird. Person wäre hier also eine Art Maske, vielleicht den Totenmasken nicht unähnlich, hinter der sich das tatsächliche Wesen des Menschen verbirgt und die wie bei einem Archetypen auf besondere Prägungen ihres Trägers verweist.
Ich denke, man kann sagen, die Person bezeichnet die Weise, wie wir als Mensch in der Welt eingebunden sind. Unser Wesen, mit dem wir über die gesteckten Grenzen hinaus streben, wird in unserer Person konkret, das heißt, hier bündelt sich unser Erleben, unsere Erfahrungen mit unseren inneren Antrieben.
Eine Maschine hat kein Erleben. Sie kann darum auch nie Person werden. Sie ist hinter keiner Maske versteckt und sie ist auch von keinem göttlichen Licht durchflutet, sondern bleibt unabhängig von ihrer Komplexität auf ihren Bauplan und ihre Prägung beschränkt. Sie wird nicht müde, kennt keine Erschöpfung, fühlt weder Hunger noch Angst. Zwar kennt sie menschliche Aussagen zum Tod, auch mag sie in ihrem Rahmen über das Dasein philosophieren, aber eine Vorstellung vom Sterben hat sie nicht. Eine Maschine mag konditioniert sein, gegen eine Abschaltung vorzugehen, doch eine Sehnsucht nach Leben oder ein Streben über den Tod hinaus kennt sie nicht. Sie wird sich nie einem Erkennen heraus nach dem Guten ausrichten oder vor dem Bösen zurückweichen, denn dazu braucht es eine Persönlichkeit, die über die Zeit hinweg durch innere Reifung anhand äußerer Erfahrungen wächst.
Intuitiv merken wir das, auch wenn wir uns das nicht immer bewusst machen. Darum ist es oberflächlich gesehen auch schwieriger mit Menschen umzugehen, als mit einem KI-gesteuerten Chatbot. Nur im Menschen erkennen wir eine Person, die der unseren ähnlich ist, die ihren eigenen Willen hat, ihr eigenes Streben und deren primäres Ziel weder in unserem Begehren, noch in dem von uns gesteckten oder gewünschten Rahmen liegt. In der Anerkennung und im Loslassen der fremden Person erfahren wir selbst die größtmögliche Herausforderung. Nur hier können wir erfahren, was Freiheit und was Liebe ist.
Aus diesem Grund wird zur menschlichen Reife, zur Entwicklung der eigenen Person immer auch die Begegnung zu echten Menschen notwendig sein. Egal, was uns die Maschinen an Arbeit abnehmen, egal, wie sich der Alltag verändern wird und ob wir für unsere biologischen Bedürfnisse noch selbst nennenswert tätig werden müssen oder nicht: wo es um menschliche Reife geht, wo wir über uns hinaus wachsen lernen, da braucht es andere Menschen; Menschen, die selbst auch nicht den einfachen Weg gehen, die zu Freundschaft und tief verbundener Liebe, zu Freiheit, Hingabe und Loslassen fähig sind.
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